Der Triebwagen 818 II wurde 1911 in der Hauptwerkstatt Trachenberge der städtischen Straßenbahn Dresden gebaut. Die ursprüngliche Lackierung in gelb-weiß mit Wappen wurde am 9. März abgeschlossen und das Fahrzeug schließlich am 10. April abgenommen. Neben den Tw 598 (ebenfalls BJ. 1911) und Tw 937 (Bj. 1927) ist er einer von 3 erhaltenen „Städtischen“ der Bauart A4 (nach Metz). Er befindet im Privatbeigentum eines Vereinsmitgliedes.

TW 818 zeigt sich um 1931 noch bis auf Ecklaternen und Frontscheinwerfer weitgehend im
Urzustand. (Arldt / Slg. Mario Schatz)
Tw 818 II zeigt sich um 1931 noch bis auf Ecklaternen und Frontscheinwerfer weitgehend im
Urzustand. (Arldt / Slg. Mario Schatz)

Diese Fahrzeuge boten auf einer Länge von 7,60 m über Puffer 18 Sitzplätze (quer) und je 9 Stehplätze im inneren sowie auf den Plattformen. Die Lattensitze hatten bis 1926 eine Leiste zum Festhalten, die dann jedoch durch Haltegriffe aus Messing ersetzt wurden. 1936 wurden die Lehnen auf Höher der Fensterbrüstung gekürzt und dann, bis 1940, nahezu alle Messing-Armaturen durch Aluminium- oder Holzbauteile ersetzt. Dies betraf auch die Haltestangen außen.

Im Januar 1952 hat TW noch die Leiter an der Seitenwand hinter dem Einstieg, jedoch bereits eckige Fensterrahmen (kriegsbedingt noch mit Ersatzverglasung und erneut einen Lyrabügel. Die Seitenwände sind noch nicht umgebaut. (Hochsteiner, Slg. Axel Trendelenburg)
Im Januar 1952 hat TW noch die Leiter an der Seitenwand hinter dem Einstieg, jedoch bereits eckige Fensterrahmen (kriegsbedingt noch mit Ersatzverglasung und erneut einen Lyrabügel. Die Seitenwände sind noch nicht umgebaut. (Hochsteiner, Slg. Axel Trendelenburg)

Das Fahrzeug erfuhr im seinem Einsatzzeitraum zahlreiche Änderungen, die im Archiv von Mario Schatz als „Abschriftsnotizen“ aufgezeichnet sind. Ursprünglich hatte es ein Fahrgestell „Berolina Neu“ mit einem Radstand von 2 m, welches zunächst mit 2 Fahrmotoren GE 800 (je 16,2 KW) und dann ab 16.07.1924 mit 2 Fahrmotoren US 351 a (je 37,5 KW) ausgestattet war. Nach
11.02.1962 (später als bei den meisten anderen Triebwagen der Bauform A4) kam schließlich ein gebrauchtes Fahrgestell der Bauart „Union Neu“ zum Einsatz, als Besonderheit besass es geschmiedete Doppelspeichenräder. Auch die Fahrschalter wurden mehrfach gewechselt, so hatte das Fahrzeug ursprünglich Fahrschalter AEG B30. Diese wurden zunächst 1936 in AEG FB 3 und 1949 schliesslich in AEG FB 79 getauscht.

Im August 1956 stellt TW 818 mit zwei Beiwagen seine Zugkraft auf der Line 5 nach Reick unter Beweis. Kurz zuvor wurde das Fahrzeug revidiert und die Seitenwand begradigt, das Fahrgestell jedoch noch nicht wie bei anderen Fahrzeugen dieser Bauform getauscht (Hochsteiner, Slg. Trendelenburg)
Im August 1956 stellt TW 818 mit zwei Beiwagen seine Zugkraft auf der Line 5 nach Reick unter Beweis. Kurz zuvor wurde das Fahrzeug revidiert und die Seitenwand begradigt, das Fahrgestell jedoch noch nicht wie bei anderen Fahrzeugen dieser Bauform getauscht (Hochsteiner, Slg. Axel Trendelenburg)

Ecklaternen, Frontscheinwerfer und Dachwiderstandskästen wurden bis zum 18.11.1926 angebracht, damit entfielen der ursprüngliche „Mond“ zur Linienanzeige und die Dachscheinwerfer. Die Beleuchtung wurde dabei von 2 x 5 Glühlampen 110 Volt in Serie auf 3 x 5 Glühlampen 110 Volt in Serie geändert, ab 1955 erfolgte eine weitere Änderung zu 3 x 1 Neonleuchte mit 2 Glühlampen in Serie.

Der Fahrgastraum nach 1956, im Zuge der Modernisierung wurden Neonleuchten installiert (Gasch, Slg. mario Schatz)
Der Fahrgastraum von Tw 818 II nach 1956, im Zuge der Modernisierung wurden Neonleuchten installiert (Gasch, Slg. Mario Schatz)

Für eine erhöhte Verkehrssicherheit wurden 1935 Rückstrahler an den Plattformen und 1936 die „Tomatenleuchten“ zur Anzeige der Fahrtrichtung beim Abbiegen montiert. Seit 1934/35 hat das Fahrzeug einen Kletterschutz an der Rammbohle. Bis Anfang der 1940er besaß das Fahrzeug noch Fangkörbe. Mit dem Umbau 1955 bekam es elektrische Rücklichter, die in die Plattformbleche integriert wurden. Die Farbgebung mit änderte sich zum 27.07. erstmalig in Creme, zunächst mit grünen Zierstreifen und Wappen. Zum 14.11.1946 wurde sie in Creme mit zunächst rotbraunen Zierstreifen und Flügelsignet ausgeführt, später dann mit dunkelbraunen Zierstreifen. Ab Mai 1972 war der Wagen nur noch als Rangierwagen und wurde daher grau überlackiert…

TW 818 II auf der Linie 10 Richtung Striesen. Heute kaum noch vorstellbar: damals durfte die Kinderschar bei offenen Einstiegstür auf em Fahrerstand mitfahren. (unbekannt, Slg. Mario Schatz)
Tw 818 II am 28.05.1958 auf der Linie 10 Richtung Striesen am Wiener Platz. Heute kaum noch vorstellbar: damals durfte die Kinderschar bei offenen Einstiegstür auf em Fahrerstand mitfahren. (Wolfgang Schreiner, Slg. Mario Schatz)
Auch auf der Linie 5 war 818 II anzutreffen, hier im September 1957 (Dönges, Slg. Mario Schatz)
Auch im September 1957 war Tw 818 II auf der Linie 5 anzutreffen, hier am damaligen Fucikplatz.. Die Halter für die Werbeschilder blieben auch nach der Abstellung teils erhalten (Dönges, Slg. Mario Schatz)
1956 war Tw 818 II in Leubnitz Richtung Radebeul Ost im Einsatz (Mario Schatz)
1956 war Tw 818 II in Leubnitz Richtung Radebeul Ost im Einsatz (Mario Schatz)

Der Stromabnehmer war zunächst ein Lyrabügel Bauart SUB 2 (SSW), ab 03.08.1944 kam ein umgebauter AEG Scherenstromabnehmer (mit bügelförmiger Wippe) zum Einsatz, dann ab 1949 bis 1953 wieder ein Lyrabügel und schließlich blieb es beim Scherenbügel (ab 1953 LEW ESS 48, ab 1956
Einheitsscherenstromabnehmer SH).

Maximilliam Hesse, geboren in Dresden und verstorben in Krefeld, zeichnete neben vielen anderen Fahrzeugen der Dresdener Straßenbahn auch den TW 818 II im Jahre 1962, vermutlich anhand von Fotos. Ein hellbrauner Farbton für die Zierlinien ließ sich bei der Restaurierung nachweisen. (Maximilliam Hesse, Slg. Trendelenburg)
Maximilliam Hesse, geboren in Dresden und verstorben in Krefeld, zeichnete neben vielen anderen Fahrzeugen der Dresdener Straßenbahn auch den TW 818 II im Jahre 1962, vermutlich anhand von Fotos. Ein hellbrauner Farbton für die Zierlinien ließ sich bei der Restaurierung nachweisen. (Maximilliam Hesse, Slg. Trendelenburg)

Offensichtlich war irgendwann damals das für Holzwagenkästen typische Problem mit dem Durchbiegen des Wagendaches unter dem Gewicht des Stromabnehmers, das man z.B. auch bei Tw 598 im Straßenbahnmuseum erkennen kann, schon bekannt, denn die Längsträger oberhalb der um 1953 angebrachten Haltestangen (mit Lederschlaufen) wurden irgendwann mit einem Stahlband verschraubt und so verstärkt.

Am 29.03.1970 zeigt sich der von der Witterung gezeichnete TW 818 mit Schneehäubchen, mittlerweile hat er als einer der letzten seiner Art ein Fahrgestell Union alt
bekommen und ist für schaffnerlosen Betrieb adaptiert (mit Zahlboxen und ohne Haltestangen außen) (Manfred Wilhelm, Slg. Mario Schatz)
Am 29.03.1970 zeigt sich der von der Witterung gezeichnete Tw 818 II mit Schneehäubchen, mittlerweile hat er als einer der letzten seiner Art ein Fahrgestell Union alt
bekommen und ist für schaffnerlosen Betrieb adaptiert (mit Zahlboxen und ohne Haltestangen außen) (Manfred Wilhelm, Slg. Mario Schatz)

Ursprünglich waren analog zum Tw 598 die großen Seitenfenster in den Ecken auf der Innenseite abgerundet. Zwischen 1940 und 1942 wurden neue Rahmen aus Eiche eingebaut, die eckig sind wie bei Tw 937. Wahrscheinlich aufgrund eines leichten Kriegsschadens, hatten zumindest die Fenster einer Seite bis mindestens 1952 eine Ersatzverglasung mit kleineren Scheibenformaten und
zusätzlichen Stegen. wohl diese drei Fenster wurden letztlich gegen neue aus Fichtenholz getauscht – Eichenholz war zu DDR-Zeiten Mangelware. Anzunehmen ist, dass dieser Umbau erfolgte, als bis zum 26.11.1955 die
Seitenwände über den Bereich der großen Fenster hinaus gerade verlängert wurden (Tw 818 II war zusammen mit Tw 902, 903 und 954 einer der ersten so „Modernisierten“). Damit entfiel auch die ursprünglich angebrachte Leiter an einem kleinen Fenster, die den Aufstieg auf das Dach ermöglichte.

Auf dieser Aufnahme vom 27.03.1970 erkennt man die nunmehr innen im Einstieg angebrachten Haltestangen. Das Fahrzeug ist von der Witterung stark gezeichnet. (Dönges, Slg. Mario Schatz)
Auf dieser Aufnahme vom 27.03.1970 erkennt man die nunmehr innen im Einstieg angebrachten Haltestangen. Das Fahrzeug ist von der Witterung stark gezeichnet. (Dönges, Slg. Mario Schatz)
Im Mai 1971 trägt Tw 818 II noch seine alte Nummer, ist aber wieder aufgehübscht (Golzsch, Slg. Axel Trendelenburg)
Im Mai 1971 trägt Tw 818 II noch seine alte Nummer, ist aber wieder aufgehübscht (Golzsch, Slg. Axel Trendelenburg)

Im „OS“ Betrieb ab ca. 1965 hatte der Tw 818 II zunächst seine ursprüngliche Nummer behalten, die außenliegenden Haltestangen am Einstieg wurden jedoch gegen innenliegende ersetzt, um Trittbrettfahren zu erschweren und er erhielt zwei Zahlboxen.

Bei einer Fahrzeugausstellung am 08.10.1971 präsentierte sich Tw 818 II mit seiner neuen EDV-Nummer 201 003-7 einer breiteren Öffentlichkeit, mehrere Fotos sind überliefert.  (Wolgang Schreiner)
Bei einer MOROP-Fahrzeugausstellung am 19.08.1971 präsentierte sich Tw 818 II mit seiner neuen EDV-Nummer 201 003-7 einer breiteren Öffentlichkeit, mehrere Fotos sind überliefert. (Wolfgang Schreiner Slg. Thomschke)
Auch dieses Bild entstand am 08.10.1971. (Georg Otte, Slg. Thomschke)
Auch dieses Bild entstand am 19.08.1971. (Georg Otte, Slg. Thomschke)

Schließlich wurde er noch zum OS-Wagen (mit Zahlbox) umgerüstet und erhielt 1971 sogar die EDV Nummer 201 003-7 angeschrieben. Bereits zum 1. Mai 1972 wurde diese erneut geändert (und 1974 an einen T4 erneut vergeben), da er dann zum Gerätewagen 729 018–3 wurde und schliesslich das graue Farbschema der ATW erhielt, welches ihm später den Spitznamen „graue Maus“ einbrachte. So diente er bis zur Abstellung 1980 als Rangierwagen in Mickten. Seit 01.04.1985 war er schließlich unter der Nummer Nr. 201 032-6 registriert (diese wohl wurde jedoch nicht mehr sngeschrieben). So hatte er seine letzten Einsätze als Ersatz für Tw 598 in Trachenberge während dessen Aufarbeitung und wurde für das Strassenbahnmuseum Dresden vorgesehen.

Am 13.07.1974 war TW 818 als 729 018 in Mickten beim Rangieren tätig (Frank Ebermann)
Am 13.07.1974 war Tw 818 II als 729 018 in Mickten beim Rangieren tätig (Frank Ebermann)
Tw 818 II als 729 028 beim Rangieren in Trachenberge am 23.09.1989 (Wolfgang Schreiner, Slg. Thomschke)
Tw 818 II als 729 028 beim Rangieren in Trachenberge am 23.09.1989 (Wolfgang Schreiner, Slg. Thomschke)

Es kam jedoch anders und er sollte zum 100-jährigen Jubiläum am 25. und 26.September 1992 mit zwei weiteren Tw versteigert werden. Dabei wechselte er jedoch für 1000 DM als einziges Fahrzeug in der Auktion den Besitzer. Das Fahrzeug wurde im September 1993 in Coswig verladen, wo es zunächst noch aus eigener Kraft bewegt wurde. Erwerber war ein Dresdener Installateur, welcher das Fahrzeug in einem gastronomischen Konzept nutzen wollte.

Am verließ Tw 818 II das Dresdener Strassenbahnnetz vorerst für immer. Die Rampe erreichte er noch aus eigener Kraft. (Frank Ebermann)
Am September 1993 verließ Tw 818 II das Dresdener Strassenbahnnetz vorerst für immer. Die Rampe erreichte er noch aus eigener Kraft. (Frank Ebermann)
Der TW 818 II fand sein erstes Domizil nach der Versteigerung auf der Böcklinstraße (Slg. Ingolf Menzel)
Der Tw 818 II fand sein erstes Domizil nach der Versteigerung auf der Böcklinstraße (Slg. Ingolf Menzel)
Eine erste Inaugenscheinnahme fand bereits im Juni oder Juli 2005 bei Burg im Spreewald statt (Axel Trendelenburg)
Eine erste Inaugenscheinnahme fand bereits im Juni oder Juli 2005 statt (Axel Trendelenburg)

Da dieses letztlich nicht zustande kam, wurde das Fahrzeug 1998 an einen Gastronom im Spreewald verkauft, der es dann 2005 über Ebay für 4000 € anbot. Das Vereinsmitglied erwägte damals schon den Erwerb, konnte ihn aber aus persönlichen Gründen nicht realisieren.

Am 11.10.2011 erreichte TW 818 II von Giessen kommend Liberec (Michal Matouschek)
Am 11.10.2011 erreichte TW 818 II von Giessen kommend Liberec (Michal Matouschek)
Ein erstes Wiedersehen mit Tw 818 II gab es im Herbst 2014 in einer Halle bei Liberec, die damals auch vom Bovera-Club genutzt wurde (Axel Trendelenburg)
Ein erstes Wiedersehen mit Tw 818 II gab es im Herbst 2014 in einer Halle bei Liberec, die damals auch vom Bovera-Club genutzt wurde (Axel Trendelenburg)

So fand das Fahrzeug später von dort seinen Weg in die Sammlerwelt Giessen und wurde 2011 wiederum von einem Strassenbahnfreund nach Tschechien übernommen, um die technische Ausrüstung für ein anderes Projekt zu nutzen. Von dort wurde dem heutigen Eigentümer zunächst ausschließlich der Wagenkasten angeboten, der am 20. September 2016 zurück nach Sachsen überführt wurde. Eine vorläufige Heimat fand sie in Neukirch / Lausitz. Auch das Fahrgestell sollte übernommen werden, dies ist jedoch nur teilweise zustande gekommen.

Tw 818 II wenige Tage nach seiner Ankunft in Neukirch / Lausitz am 30.09.2016 (Axel Trendelenburg)
Tw 818 II wenige Tage nach seiner Ankunft in Neukirch / Lausitz am 30.09.2016 (Axel Trendelenburg)

Zwischenzeitlich wurde mit der Aufarbeitung begonnen, mit dem Erwerb des Lokschupens in Neustadt wurden diese dann jedoch zunächst weitgehend ausgesetzt. Außerdem konnten auf verschiedenen Wegen nach und nach weitere Bauteile zur optischen Komplettierung erworben werden. Auch ein Fahrmotor konnte übernommen werden. Eine fahrfähige Aufarbeitung ist zumindest aus heutiger Sicht zunächst nicht vorgesehen.

Alte und neue Armlehne der Plattform an der A-Seite (Axel Trendelenburg)
Alte und neue Armlehne der Plattform an der A-Seite (Axel Trendelenburg)
Erneuerte Holzteile der rechten Seitenwand (Axel Trendelenburg)
Erneuerte Holzteile der rechten Seitenwand (Axel Trendelenburg)

Das Fahrzeug wurde schließlich am 15.05.2025 in den Lokschuppen in Neustadt in Sachsen umgesetzt.